Michel Friedman (25. 2. 1956, Paris) ist ein deutsch-französischer Jurist, Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Seine Eltern und seine Großmutter überlebten den Holocaust als Mitglieder der Schindler-Lister. Friedman war Vizepräsident des Zentralrats der Juden Deutschlands. Im Folgenden seine Rede in Bayreuth.
Michel Friedman (nacido el 25 de febrero de 1956 en París, Francia) es un abogado, filósofo, autor e intelectual público franco-alemán. Sus padres y su abuela sobrevivieron al Holocausto gracias a que fueron salvados por Oskar Schindler (formaron parte de la famosa lista de Schindler). Fue vicepresidente del Consejo Central de Judos en Alemania. Aquí publicamos sy discurso en el Festival de Wagner in Bayreuth, en el original alemán y abajo en la traducción al español.

Michel Friedman, 26. Juli 2026 / Süddeutsche Zeitung
Richard Wagner, der große Komponist und glühende Judenhasser – das gehört zur Identität Deutschlands. Welche Verantwortung ergibt sich daraus? Die Rede im Wortlaut.
1850 schreibt Richard Wagner in Zürich: „Der Jude […] herrscht und wird so lange herrschen als das Geld die Macht bleibt vor welcher all unser Tun und Treiben seine Kraft verliert. Wir haben nicht erst nötig, die Verjüdung der modernen Kunst zu bestätigen, sie springt in die Augen und bestätigt sich den Sinnen von selbst.“
„Der Jude, der bekanntlich einen Gott ganz für sich hat, fällt uns im gemeinen Leben zunächst durch seine äußere Erscheinung auf, die, gleichviel welcher europäischen Nationalität wir angehören, etwas dieser Nationalität unangenehm Fremdartiges hat.“
Nun ein Zitat von 1951, es stammt von Wolfgang und Wieland Wagner: „Im Interesse einer reibungslosen Durchführung der Festspiele bitten wir von Gesprächen und Debatten politischer Art auf dem Festspielhügel freundlichst absehen zu wollen. Hier gilt’s der Kunst. Die Festspielleitung, gezeichnet Wieland Wagner, gezeichnet Wolfgang Wagner. Bayreuth Sommer 1951.“
Ich möchte mich bei Katharina Wagner bedanken, dass das 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele, 75 Jahre nach den ersten Nachkriegsspielen, sich diesem Wunsch ihres Vaters und ihres Onkels von 1951 entgegenstellt.
Der Judenhass war keine deutsche Erfindung. Aber Auschwitz war eine deutsche Erfindung. Der, der Auschwitz verantwortete, und seine vielen Mitläufer und Mittäter, vergnügten sich an den Opern Richard Wagners an diesem Ort. Gleichzeitig wurden Millionen Juden vergast. Deshalb, aber nicht nur deswegen, befinden wir uns hier auf historisch kontaminiertem Boden.
Die Lebenslegenden, der Selbstbetrug, waren mit vielen Ausnahmen Alltag geworden
Die Gerüchteküche behauptet, dass einige auf dem Hügel unzufrieden waren, dass wir diese Veranstaltung abhalten. Dazu noch ein Gedanke zu der Aufforderung Ihrer Vorfahren, liebe Frau Wagner, hier in Bayreuth auf Politik zu verzichten – denn hier gelte die Kunst, und was für eine Formulierung: der reibungslose Ablauf.
2017 fand unter Ihrer Ägide, liebe Frau Wagner, zum ersten Mal im Rahmen der Bayreuther Festspiele das Symposium „Diskurs Bayreuth“ zum Thema „Wagner und der Nationalsozialismus“ statt. Barrie Kosky holte Wagners Geschichte in dem Jahr mit dem Meistersinger von Nürnberg in den Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse und auch Sie, Frau Wagner, widmeten sich in Ihrer Debütinszenierung der Geschichte ihrer Familie. Ich möchte Sie ausdrücklich ermuntern, diesen Weg fortzusetzen. Ich weiß, dass es Widerstand und Widerspruch gibt.
Wie Wieland und Wolfgang Wagner wünschte sich auch der Makrokosmos – die Bundesrepublik Deutschland – im Interesse einer reibungslosen Entnazifizierung der eigenen Lebensfestspiele und Biografien von Millionen Menschen, Gespräche und Debatten politischer Art zu verbannen. Die Lebenslegenden, der Selbstbetrug, waren mit vielen Ausnahmen Alltag geworden. Bis in die 1980er-Jahre hatten deutsche Malermeister volle Auftragsbücher: Die Deutschen verlangten nach weißer Farbe.
Mein Name ist Michel Friedman, meine Eltern sind in Polen geboren. Polnische Juden. Ich bin in Paris geboren. Französischer Jude. Mit zehn Jahren bin ich im Jahre 1966 in Frankfurt am Main angekommen. Deutscher Jude. Bis zu meinem 18. Lebensjahr war ich ein staatenloser Mensch. Meine Eltern vertrauten keinem nationalen Pass mehr. Sie waren sicher, dass ein UN-Staatenlosen-Pass der richtigere gewesen ist. Ein Irrtum. Er führte uns über fast zwei Jahrzehnte von Ausländerbehörde zu Ausländerbehörde. Abwehrbehörde. Kränkungsbehörde.
Ich bin auf einem Friedhof geboren, meine Eltern waren die Friedhofswärter, ich ihr jüngster Lehrling. Fünfzig Mitglieder meiner Familie sind ermordet worden. Von deutschen Nazis.
Meine Mutter, mein Vater und meine Großmutter sind von einem Deutschen gerettet worden. Oskar Schindler. Bei uns zu Hause herrschte Trauer. Depression. Angst. Meine Mutter war 16 Jahre alt, als sie ins Ghetto musste. Ich wagte es bis zu ihrem Tod nicht, zu fragen: War sie vergewaltigt worden? Waren mein Vater und sie gefoltert worden? Mussten sie zusehen, wie ihre Verwandten ermordet wurden? Wie viele Tote haben sie gesehen? Was vom ersten Tag erfahrbar war: Ohnmacht. Einsamkeit. Verzweiflung. Der Verlust von Weltvertrauen. Diese Gefühle übertrugen sich auf mich. Wie hätte es anders sein können?
Als ich in das Goethe-Gymnasium nach Frankfurt am Main kam und meine ersten nicht jüdischen Schulfreunde kennenlernte, hatte ich eine Sehnsucht danach, mich mit ihnen, den Kindern der Täter, auszutauschen. Die damaligen Kinder sind heute, so wie ich, zwischen Mitte sechzig und Ende siebzig. Schon damals konnten sie mit meinen Fragen wenig anfangen. In den meisten Familien wurde geschwiegen. Und ihre Kinder? Also die Enkelkinder der Nazigeneration? Fragen stellen – gefährlich. Streiten – gefährlich. Über die Nazizeit sprechen – gefährlich. Über Auschwitz sprechen – gefährlich. Mit der Familie sprechen – gefährlich. Wer als Kind nicht lernt, und wo lernt man es, wenn nicht in der Familie, dass Fragenstellen belohnt wird, dass Streiten Freude machen kann, wird als erwachsener Mensch statt Freude Angst vor dem Konflikt haben.
Ich lebte also mit einem Schmerz. Mit vernarbten Wunden. Die aufbrechen, wenn Judenhass hörbar und sichtbar wird. Meine Vorstellung war, dass die Kinder der Tätergeneration auch mit ihren Schmerzen lebten und den gegenwärtigen Judenhass genauso wie ich als unerträglich, auch für sich selbst, erlebten.
Das schwarze Loch, von dem ich spreche, ist in Bayreuth bis fast Ende des 20. Jahrhunderts ein sehr tiefes, schwarzes Loch
Ich bin überzeugt, dass Geschichte immer auch Familiengeschichte ist. Ohne Familiengeschichte kann man wissen und lernen. Aber nur mit der Familiengeschichte lernt man Empathie. Das gilt für Bayreuth und die Familie Wagner. Das gilt für die Bundesrepublik Deutschland und Millionen Menschen. Das gilt für die ehemalige DDR, die es sich noch leichter gemacht hat, indem sie sich einfach das antifaschistische Deutschland genannt hat.
Unstreitig ist: Wir haben eine Kultur der Erinnerung. Museen, Ausstellungen, Filme, Bücher, Theaterstücke, Initiativen von vielen Jugendlichen, die in ihren Dörfern nach der Geschichte des Dritten Reiches forschen. Stolpersteinverlegungen. Und unendlich wichtig: die Arbeit der Wissenschaft.
In der Wissenschaft ist der Begriff Erinnerungskultur eindeutig definiert: Drei Generationen sprechen miteinander über die Ereignisse, die die erste Generation erlebt und mitgestaltet hat. Sie erzählen es ihren Kindern, die wiederum ihren Kindern, die wiederum hören es durch ihre Großeltern noch einmal. Das kommunikative Gedächtnis verwandelt sich in ein kulturelles. Nehmen wir diese wissenschaftlichen Kriterien an, dann gibt es in Deutschland eine Erinnerungskultur: das schwarze Loch des Schweigens. Oder die Legendenbildung: Aber man habe doch Juden im Keller versteckt. Eine weitere: Wir sind keine Täter, wir sind auch Opfer. Was die Russen uns angetan haben, die Bombardierungen, Dresden, das ist der Schmerz, den wir erlebt haben. Wir waren Opfer.
Das schwarze Loch, von dem ich spreche, ist in Bayreuth bis fast Ende des 20. Jahrhunderts ein sehr tiefes, schwarzes Loch. Noch mal Wolfgang und Wieland Wagner von 1951: „Reibungslose Durchführung“. Wie bitte?
Die Bundesrepublik Deutschland, in der wir heute leben, hat sich in acht Jahrzehnten trotz all dem zu einer funktionierenden Demokratie entwickelt. Systemisch unverwundet. Und ja, der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, ein engagierter Demokrat, der mit den Nazis nichts zu tun hatte, repräsentierte das neue Deutschland.
Aber der Kanzleramtsminister Konrad Adenauers heißt Hans Globke und war der Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze. Hans Globke war ein furchtbarer Antisemit und Nazi. Hätte Adenauer der erste Kanzler Deutschlands werden können ohne Globke? Oder war Globke unverzichtbar für eine Gesellschaft mit immer noch mehr als acht Millionen NSDAP-Parteibüchern am Tag der Kapitulation, der die Demokratie also übergestülpt wurde? Die Juden hassend. Nationalistisch. Sich besetzt und nicht befreit fühlend.
Und doch: 81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz und Adolf Hitler ist dieses Land ein großartiges, rechtsstaatliches Land, das mehrheitlich den Nationalismus mit der europäischen Idee ausgetauscht hat. Das demokratische System funktioniert so gut, dass selbst die, die die Demokratie zerstören wollen, sich frei äußern können. Dass es gerade die sind, die der Demokratie und den Demokraten vorwerfen, man würde ihre Meinungsfreiheit unterdrücken, ist zynisch. In diesem Land kann jeder sagen, was er will. Er kann auch behaupten, dass er nicht sagen kann, was er will. Wenn ich dann sage, was ich sagen will, und Kritik formuliere, heißt es: Das ist der Beweis: Man kann nicht sagen, was man sagen will.
Auflehnung gegen Hass, Gewalt und Zynismus ist hier bei uns wichtig, aber nicht mutig. Mutig ist dies in Teheran, Moskau oder Peking. Und damit dies nie eine Frage des Mutes wird, immer nur eine Frage der Wichtigkeit, müssen wir alles dafür tun, dass dieses Land demokratisch ist und bleibt.
Wehret den Anfängen? Es gibt immer nur einen Anfang
Ich kann in diesem Land nur leben, weil mich unser Grundgesetz begleitet. Kein Mensch soll je wieder bestimmen dürfen, ob ein Mensch ein Mensch ist. Als ich mit 18 Jahren entschied, in Deutschland zu leben und deutscher Staatsbürger zu werden, hatte ich zwei Gründe. Zum einen dieses wunderbare Grundgesetz und zum anderen meine Generation. Die Zuversicht, dass wir alle es ernst meinten, als wir uns versprochen haben: Wir haben gelernt.
Wehret den Anfängen? Es gibt immer nur einen Anfang. Wann beginnt die Ermordung von Menschen? Wir hatten alle Zeit zu begreifen, dass Judenhass immer Menschenhass ist. Schwulenhass Menschenhass ist. Frauenhass Menschenhass ist. „Nie wieder“ hätte längst mit Bedeutung und Handeln gefüllt werden müssen.
Der Judenhass ist das Thermometer für den Zustand der Demokratie. Das Thermometer hat aktuell einen Wert von 40 Grad.
Jüdisches Leben war seit 1945 in diesem Land, auf den Straßen, in den Vereinen, auf den Bühnen und in den Restaurants, Kindergärten, Schulen und Universitäten noch nie so gefährdet wie heute – ich rede hier von täglicher, psychischer, physischer Gewalt, von Gewalt gegen jüdische Studenten, von Brandsätzen und eingeschlagenen Scheiben in jüdischen Restaurants in München, von geschlossenen Restaurants in Berlin, von abgesagten Filmtagen in Frankfurt. Hass hat Hunger und wird nie satt. Neben dem Rechtsextremismus hat sich auch der Linksextremismus in seinem Judenhass – wieder einmal – entlarvt. Mein großer Dank gilt den Beamten der deutschen Polizei, er gilt dem Staatsschutz, alle zusammen schützen sie an jedem Tag in diesem Land jüdisches Leben vor unmittelbarer Bedrohung. Unser Leben ist in Gefahr. Unsere Kinder sind nicht sicher.
Seit dem 7. Oktober 2023 erleben jüdische Menschen, dass dieser Hass eine neue Ausrede, einen neuen Vorwand konstruiert. Noch in der Nacht vom 7. Oktober, nach dem Gemetzel, den abgefilmten Schändungen an jüdischen Kindern, Frauen, jungen Ravern und Friedensaktivisten in den Kibbuzim hört man auf Berliner Straßen: „Tod den Juden.“ „Tod den Israelis“! Tod den Juden? 2023? In Berlin?
Ich, Michel Friedman, der deutsche Staatsbürger, dessen Religion jüdisch ist, werde als israelischer Staatsbürger markiert. Linksextremistische Gruppierungen, auch Teile der etablierten Linken, fordern die Zerstörung des Staates Israel.
Eines der ältesten antisemitischen Narrative wird wieder instrumentalisiert: „Das Gerücht über die Juden“, wie Adorno es nannte. Oder, wieder Wagner: „Der Jude bleibt immer Ausländer.“
Die Boykottbewegung BDS, die verlangt, dass kein israelischer Künstler oder keine Künstlerin irgendwo auftreten darf, gewinnt seit Jahren an Kraft. Ausladungen jüdischer Künstlerinnen und Künstler sind an der Tagesordnung. Einladungen werden aus Angst vor Demonstrationen kaum mehr ausgesprochen. Es ist dies ein stiller, eiskalter und alltäglicher Boykott. Israelis, die sich gegen ihre Regierung stellen, werden als Mittäter mitdiffamiert. An deutschen Universitäten werden israelische Studierende, aber auch deutsche jüdische Studierende beleidigt, bedroht, geschlagen. Die Studierendenparlamente der HU Berlin, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Universität Hamburg und der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz fordern das Aufkündigen der Verträge und der gemeinsamen Verbundforschung mit israelischen Universitäten. Fassungslos macht mich die Hilflosigkeit einiger Professores und Dekane, die antisemitische Vorfälle nicht im Keim ersticken, sondern durch ihre Hilflosigkeit und Sanktionslosigkeit diesen Antisemitismus letztlich bestärken.
Hitler benutzte diese Musik, um die kulturelle Identität Deutschlands zu bestimmen
Wenn 49 Prozent aller jungen Menschen nach Umfragen der Hans-Böckler-Stiftung nicht einmal mehr wissen, was Auschwitz ist, wie sollen sie dann etwas lernen können? Und ihr wollt das Geld für die Bildung kürzen, in diesem Land, euer Ernst?
Jüdische Jugendliche in diesem Land erleben sich heute, im Sommer 2026, nicht mehr als Wir, sondern als Ihr. Erleben, dass sie kaum mehr Deutsche sein sollen. Jüdische Menschen müssen sich, bevor sie einen Raum betreten, von der Politik Netanjahus distanzieren. Sie stehen vor einem täglichen Gesinnungstest, obwohl ihr Bundeskanzler Merz heißt, nicht Netanjahu. Wie gut und selbstverständlich, dass muslimische Menschen in unserem Land sich nicht von der Hamas distanzieren müssen, aber: Fällt dieser Widerspruch niemandem auf?
Es wird die Vernichtung des Staates Israels gefordert. Wird die Vernichtung Russlands verlangt? Obwohl Putin Hunderttausende Menschen des eigenen Volkes in den Krieg führt und Abertausende Zivilisten in der Ukraine niedermetzelt? Wird die Löschung des Staates Iran von der Landkarte gefordert, der seine eigene Bevölkerung abschlachtet? Fällt niemanden auf, dass diese Forderung, dass das einzige jüdische Land der Welt vernichtet werden soll, mit dieser Vernichtungsfantasie einhergeht, dass über acht Millionen Juden vernichtet werden würden?
Hier, an diesem Ort, erklärte Adolf Hitler Richard Wagner zu einem unverzichtbaren Teil der Kunst des Nationalsozialismus. Hitler benutzte diese Musik, um die kulturelle Identität Deutschlands zu bestimmen, aber auch um die Nomenklatura des Systems darauf einzuschwören. Im Jahre 1942 werden Rüstungsarbeiter, Kriegsverletzte als Gäste zu den Bayreuther Festspielen eingeladen. Zu keinem Zeitpunkt während des totalen Krieges, auch nicht in seinen letzten Tagen im Führerbunker, als in den Straßen Berlins der minderjährige Volkssturm sein Leben für den „Führer“ lässt, verzichtet Adolf Hitler auf Richard Wagner. Winifred Wagner wird sehr früh zu einer besten Freundin, sie versorgt ihn mit Schreibpapier schon in Landsberg für seine Schrift „Mein Kampf“. Sie war die Wahlverwandte. Spätestens als Wieland Wagner 1944 zum zivilen Leiter eines Außenlagers von Flossenbürg ernannt wurde, ist die Verstrickung auf allen Ebenen angekommen.
Ich stehe als deutscher Jude hier auf dem Hügel in Bayreuth. Eingeladen, ausgeladen, wieder eingeladen. Schließlich schafft Katharina Wagner es, dass diese Veranstaltung stattfinden kann. Ein weiterer Versuch, Geschichte und Familiengeschichte sichtbar zu machen. Wir sind keine hilflosen Lebewesen. Wir müssen nicht gegeneinander leben und kämpfen. Wir können es miteinander versuchen.
Wir alle sollten uns die Frage stellen, wie es möglich ist, dass eine antidemokratische, wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, es sagt: „Nazipartei“ wieder zur stärksten Partei in Deutschland werden konnte. Wer hat das Versprechen nicht gehalten?
Diejenigen, die in hohen Ämtern waren und sind, haben sie ihre Hörgeräte und ihre Brillen weggelegt? In welchem Zustand sind unsere Institutionen? Die, die für unsere geistige und kulturelle Verfassung verantwortlich sind – die Schulen, die Theater, die Universitäten? Interessieren sie uns noch, also mit Leidenschaft? Sehen wir sie? Hören wir sie – die Menschen dort? Sehen wir, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für Deutschland ist? Dass er schon lange Einzug gehalten hat in Bezirks- und Landesparlamente, in den Alltag der Vereine, der Verbände, der Dorf- und Sportvereinsfeste von Ost bis West? Dass der Marsch durch die Institutionen, die wir ohne Leidenschaft bespielen, bereits begonnen hat?
Bin ich depressiv? Gebe ich auf? Im Leben nicht. Oskar Schindler hat es mir verboten
Nichts ist überraschend. Nichts ist neu. Diese Menschen wollen dieses Land abschaffen – wir müssen das klar benennen.
Ich sage all das nicht, weil ich Jude bin, sondern weil ich Bürger bin. Nicht nur ich werde angegriffen. Sondern wir alle.
Was ist uns die Freiheit also wert? Sind wir sicher, dass dieses Land in fünf Jahren noch demokratisch und frei ist?
Ich würde mir wünschen, dass in diesem Festspielhaus, im nächsten Jahr, bei den 151. Festspielen, im Foyer eine Dauerausstellung über die antisemitische Biografie des Musikers Richard Wagner Realität werden würde. Und über die naziaffine Familiengeschichte bis weit in die Siebzigerjahre.
1975 sagte Winifred Wagner: „Wenn der Hitler heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“ Es wäre wunderbar, wenn aufgearbeitet werden würde, dass seit Jahrzehnten die Eliten der Bundesrepublik – all die Showstars, Künstler, Politikerinnen und Politiker aller Parteien lächelnd und begeistert und sich vor den Kameras im Kreis drehend – beglückt zu den Festspieltagen pilgern, ohne jemals ihre Zweifel an diesem Ort öffentlich formuliert haben zu müssen. Einige taten es, natürlich. Aber weiter nötig war es im Interesse der „reibungslosen Durchführung“ nicht.
Es wäre wünschenswert, dass die Vulgarität, Aggression, die Ich-Bezogenheit, der Egoismus in diesem Land wieder ersetzt werden durch Respekt, Liebe und Anerkennung, auch einer Anerkennung für unsere vielen Festspielorte: Das sind die Theater im Land, die Opern, die Universitäten, die Museen und Schulen.
Ich bin 70 Jahre alt. Die Jugend beobachtet uns – uns alle. Dass Nationalismus gewählt wird, ist auch das Ergebnis des Versagens derjenigen, die in Elitefunktionen Verantwortung tragen, und einer alternden Gesellschaft, die vergessen hat, dass Zukunft immer nur die Jugend ist. Bin ich depressiv? Gebe ich auf? Im Leben nicht. Oskar Schindler hat es mir verboten. Wir Demokraten sollten wieder für uns werben. Wir haben das bessere Produkt. Viel zu lange waren wir Schlaraffenland-Demokraten. Müde Demokraten. Millionen Menschen, die sich für die Demokratie jeden Tag in unserem Land einsetzen, brauchen Nachschub. Sie brauchen uns. Deswegen ist auch dieser Tag in Bayreuth wichtig. Er ist ein kleiner Teil eines hoffentlich schönen, großen Gemäldes. Diese Festspiele sind nur möglich, weil Steuergelder vom Bund und vom Land Bayern das alles hier mitfinanzieren. Aber wäre dann eine Auseinandersetzung mit dem Ort, mit dem Hügel, nicht eine schöne, ja nötige Bedingung für eine solche Subventionierung? Wäre das nicht wichtig, damit wir alle uns und diesen Ort besser verstehen lernen? Richard Wagner, der große Komponist und glühende Judenhasser, dieser Hügel – das ist deutsche Kultur, das gehört zur Identität Deutschlands.
Katharina Wagner hat sich auf den Weg gemacht. Sie sollte vom Land Bayern und vom Bund dabei offensiv unterstützt werden. Nicht nur durch Geld Jahr für Jahr – auch hier sollte, ja muss zwingend eine Kultur des Erinnerns installiert und archiviert werden. Nicht Richard Wagner regiert hier, sondern diejenigen, die diese Festspiele und den grünen Hügel finanzieren.
Alles geht – wenn wir es wollen. Ich will. Wollen Sie auch?
Der Text ist eine gekürzte und leicht bearbeitete Version der Rede, die Michel Friedman am 26. Juli bei der Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ am Eröffnungswochenende zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele hielt.
Michel Friedman (nacido el 25 de febrero de 1956 en París, Francia) es un abogado, filósofo, autor, publicista y presentador de televisión franco-alemán. Sus padres y su abuela sobrevivieron al Holocausto gracias a que fueron salvados por Oskar Schindler (formaron parte de la famosa lista de Schindler). Fue vicepresidente del Consejo Central de Judos en Alemania.
«Aquí estoy, un judío alemán, parado en esta colina de Bayreuth. Invitado, desinvitado, otra vez invitado»

Michel Friedman, 26 de julio de 2026 / Süddeutsche Zeitung
Richard Wagner, el gran compositor alemán que odiaba a los judíos, forma parte de la Identidad alemana. ¿Cuáles son las responsabilidades que se derivan de esto? El discurso de Michel Friedman en el festival de Wagner.
Richard Wagner, el gran compositor y ferviente enemigo de los judíos: eso forma parte de la identidad de Alemania. ¿Qué responsabilidad se deriva de ello? El discurso, íntegro.
En 1850, Richard Wagner escribe en Zúrich: «El judío […] domina y dominará mientras el dinero siga siendo el poder ante el cual todo nuestro obrar y actuar pierde su fuerza. No necesitamos siquiera confirmar la judaización del arte moderno: salta a la vista y se confirma por sí sola a los sentidos». «El judío, que como es sabido tiene un dios enteramente para él, nos llama la atención en la vida corriente, ante todo, por su apariencia exterior, que —sea cual sea la nacionalidad europea a la que pertenezcamos— tiene algo desagradablemente extraño para esa nacionalidad». Ahora, una cita de 1951, de Wolfgang y Wieland Wagner: «En interés del desarrollo sin fricciones de los Festivales, rogamos amablemente abstenerse de conversaciones y debates de carácter político en la colina del Festival. Aquí rige el arte. La dirección del Festival, firmado Wieland Wagner, firmado Wolfgang Wagner. Bayreuth, verano de 1951».
Quisiera agradecer a Katharina Wagner que el 150.º aniversario de los Festivales de Bayreuth, 75 años después de los primeros festivales de posguerra, se oponga a este deseo de su padre y de su tío de 1951. El odio a los judíos no fue una invención alemana. Pero Auschwitz sí fue una invención alemana. Quien fue responsable de Auschwitz, y sus muchos colaboradores y cómplices, disfrutaban de las óperas de Richard Wagner en este mismo lugar. Al mismo tiempo, millones de judíos eran gaseados. Por eso, pero no solo por eso, nos encontramos aquí sobre suelo históricamente contaminado.
Las leyendas de vida, el autoengaño, se habían vuelto cotidianos, con muchas excepciones
Los rumores dicen que algunos en la colina no estaban contentos de que celebráramos este acto. A esto añado un pensamiento sobre la exigencia de sus antepasados, estimada señora Wagner, de renunciar aquí en Bayreuth a la política —pues aquí rige el arte—, y qué expresión: el desarrollo sin fricciones. En 2017, bajo su dirección, estimada señora Wagner, se celebró por primera vez en el marco de los Festivales de Bayreuth el simposio «Discurso Bayreuth» sobre el tema «Wagner y el nacionalsocialismo». Ese año, Barrie Kosky llevó la historia de Wagner a la sala del tribunal de los procesos de Núremberg con Los maestros cantores de Núremberg, y usted misma, señora Wagner, dedicó su puesta en escena debut a la historia de su familia. Quisiera animarla expresamente a continuar por este camino. Sé que hay resistencia y oposición. Como Wieland y Wolfgang Wagner, también el macrocosmos —la República Federal de Alemania— deseó, en interés de una desnazificación sin fricciones de los propios festivales vitales y biografías de millones de personas, desterrar las conversaciones y debates de carácter político. Las leyendas de vida, el autoengaño, se habían vuelto cotidianos, con muchas excepciones. Hasta los años 80, los maestros pintores alemanes tenían las agendas llenas: los alemanes pedían pintura blanca. Mi nombre es Michel Friedman, mis padres nacieron en Polonia. Judíos polacos. Yo nací en París. Judío francés. A los diez años, en 1966, llegué a Fráncfort del Meno. Judío alemán. Hasta los 18 años fui una persona apátrida. Mis padres ya no confiaban en ningún pasaporte nacional. Estaban seguros de que un pasaporte de apátrida de la ONU era el más correcto. Un error. Nos llevó durante casi dos décadas de oficina de extranjería en oficina de extranjería. Oficina de rechazo. Oficina de humillación. Nací en un cementerio; mis padres eran los guardianes del cementerio, yo su aprendiz más joven. Cincuenta miembros de mi familia fueron asesinados. Por nazis alemanes. Mi madre, mi padre y mi abuela fueron salvados por un alemán. Oskar Schindler. En nuestra casa reinaban el duelo, la depresión, el miedo. Mi madre tenía 16 años cuando tuvo que entrar al gueto. Hasta su muerte no me atreví a preguntar: ¿la habían violado? ¿Habían torturado a ella y a mi padre? ¿Tuvieron que ver cómo asesinaban a sus parientes? ¿Cuántos muertos vieron? Lo que se podía percibir desde el primer día era: impotencia, soledad, desesperación, la pérdida de la confianza en el mundo. Estos sentimientos se me transmitieron. ¿Cómo podría haber sido de otro modo? Cuando llegué al Goethe-Gymnasium de Fráncfort del Meno y conocí a mis primeros amigos de escuela no judíos, sentí el anhelo de intercambiar con ellos, los hijos de los perpetradores. Aquellos niños de entonces tienen hoy, como yo, entre sesenta y cinco y finales de los setenta años. Ya entonces podían hacer poco con mis preguntas. En la mayoría de las familias se guardaba silencio. ¿Y sus hijos? Es decir, ¿los nietos de la generación nazi? Hacer preguntas: peligroso. Discutir: peligroso. Hablar de la época nazi: peligroso. Hablar de Auschwitz: peligroso. Hablar con la familia: peligroso. Quien de niño no aprende —¿y dónde se aprende, si no en la familia?— que hacer preguntas se recompensa, que discutir puede dar alegría, de adulto tendrá, en lugar de alegría, miedo al conflicto. Yo vivía, pues, con un dolor. Con heridas cicatrizadas que se reabren cuando el odio a los judíos se hace audible y visible. Mi idea era que los hijos de la generación de los perpetradores también vivían con sus propios dolores y experimentaban el odio a los judíos actual, igual que yo, como algo insoportable, también para ellos mismos.
El agujero negro del que hablo es, en Bayreuth, hasta casi finales del siglo XX, un agujero negro muy profundo
Estoy convencido de que la historia es siempre también historia familiar. Sin historia familiar se puede saber y aprender. Pero solo con la historia familiar se aprende empatía. Esto vale para Bayreuth y la familia Wagner. Vale para la República Federal de Alemania y para millones de personas. Vale para la antigua RDA, que se lo puso aún más fácil llamándose simplemente la Alemania antifascista. Es indiscutible: tenemos una cultura del recuerdo. Museos, exposiciones, películas, libros, obras de teatro, iniciativas de muchos jóvenes que investigan en sus pueblos la historia del Tercer Reich. Colocación de Stolpersteine. E, infinitamente importante, el trabajo de la ciencia. En la ciencia, el concepto de cultura del recuerdo está definido con claridad: tres generaciones hablan entre sí sobre los sucesos que la primera generación vivió y protagonizó. Se lo cuentan a sus hijos, que a su vez se lo cuentan a los suyos, que a su vez lo vuelven a escuchar a través de sus abuelos. La memoria comunicativa se transforma en memoria cultural. Si aceptamos estos criterios científicos, entonces en Alemania existe una cultura del recuerdo: el agujero negro del silencio. O la formación de leyendas: pero si escondimos judíos en el sótano. Otra más: nosotros no somos perpetradores, también somos víctimas. Lo que nos hicieron los rusos, los bombardeos, Dresde, ese es el dolor que vivimos. Fuimos víctimas. El agujero negro del que hablo es, en Bayreuth, hasta casi finales del siglo XX, un agujero negro muy profundo. Otra vez Wolfgang y Wieland Wagner, de 1951: «desarrollo sin fricciones». ¿Perdón? La República Federal de Alemania en la que vivimos hoy se ha convertido, a pesar de todo, en ocho décadas, en una democracia funcional. Sistémicamente ilesa. Y sí, el primer canciller de la República Federal de Alemania, un demócrata comprometido que no tuvo nada que ver con los nazis, representó a la nueva Alemania. Pero el ministro de la Cancillería de Konrad Adenauer se llamaba Hans Globke y fue coautor de las leyes raciales de Núremberg. Hans Globke era un antisemita y nazi terrible. ¿Podría Adenauer haber llegado a ser el primer canciller de Alemania sin Globke? ¿O era Globke imprescindible para una sociedad que, el día de la capitulación, aún contaba con más de ocho millones de carnets del partido nazi, a la que se le impuso la democracia desde fuera? Una sociedad que odiaba a los judíos. Nacionalista. Que se sentía ocupada y no liberada. Y sin embargo: 81 años después de la liberación de Auschwitz y de Adolf Hitler, este es un país extraordinario, un Estado de derecho, que en su mayoría ha cambiado el nacionalismo por la idea europea. El sistema democrático funciona tan bien que incluso quienes quieren destruir la democracia pueden expresarse libremente. Que sean precisamente ellos quienes acusan a la democracia y a los demócratas de reprimir su libertad de expresión es cínico. En este país cada uno puede decir lo que quiera. Puede incluso afirmar que no puede decir lo que quiere. Y cuando entonces digo lo que quiero decir y formulo una crítica, se dice: esa es la prueba, no se puede decir lo que se quiere decir. Rebelarse contra el odio, la violencia y el cinismo es importante aquí, entre nosotros, pero no es valiente. Valiente es hacerlo en Teherán, Moscú o Pekín. Y para que esto nunca sea una cuestión de valentía, sino siempre solo una cuestión de importancia, debemos hacer todo lo posible para que este país sea y siga siendo democrático.
¿Que nos guardemos de los comienzos? Solo hay siempre un comienzo
Solo puedo vivir en este país porque nuestra Ley Fundamental me acompaña. Ninguna persona debe volver a decidir jamás si otra persona es persona. Cuando a los 18 años decidí vivir en Alemania y convertirme en ciudadano alemán, tuve dos razones. Por un lado, esta maravillosa Ley Fundamental, y por otro, mi generación. La confianza de que todos lo decíamos en serio cuando nos prometimos: hemos aprendido. ¿Que nos guardemos de los comienzos? Solo hay siempre un comienzo. ¿Cuándo empieza el asesinato de personas? Tuvimos todo el tiempo para comprender que el odio a los judíos es siempre odio al ser humano. Que el odio a los homosexuales es odio al ser humano. Que el odio a las mujeres es odio al ser humano. El «nunca más» debería haberse llenado hace mucho de significado y de acción. El odio a los judíos es el termómetro del estado de la democracia. Ese termómetro marca hoy 40 grados. La vida judía en este país, en las calles, en las asociaciones, en los escenarios y en los restaurantes, guarderías, escuelas y universidades, nunca ha estado, desde 1945, tan en peligro como hoy. Hablo de violencia diaria, psíquica y física; de violencia contra estudiantes judíos; de cócteles molotov y ventanas rotas en restaurantes judíos de Múnich; de restaurantes cerrados en Berlín; de jornadas de cine canceladas en Fráncfort. El odio tiene hambre y nunca se sacia. Junto al extremismo de derecha, también el extremismo de izquierda se ha desenmascarado, una vez más, en su odio a los judíos. Mi gran agradecimiento a los agentes de la policía alemana, a la protección del Estado: todos ellos protegen cada día en este país la vida judía de la amenaza inmediata. Nuestra vida está en peligro. Nuestros hijos no están seguros. Desde el 7 de octubre de 2023, las personas judías experimentan que este odio construye una nueva excusa, un nuevo pretexto. La misma noche del 7 de octubre, tras la masacre, las profanaciones filmadas contra niños, mujeres, jóvenes ravers y activistas por la paz judíos en los kibutz, se oye en las calles de Berlín: «Muerte a los judíos». «¡Muerte a los israelíes!». ¿Muerte a los judíos? ¿En 2023? ¿En Berlín? Yo, Michel Friedman, ciudadano alemán cuya religión es judía, soy marcado como ciudadano israelí. Grupos de extrema izquierda, también partes de la izquierda establecida, exigen la destrucción del Estado de Israel. Se instrumentaliza de nuevo uno de los relatos antisemitas más antiguos: «el rumor sobre los judíos», como lo llamó Adorno. O, de nuevo Wagner: «el judío sigue siendo siempre extranjero». El movimiento de boicot BDS, que exige que ningún artista o artista israelí pueda actuar en ningún lugar, gana fuerza desde hace años. Las cancelaciones de invitaciones a artistas judíos están a la orden del día. Las invitaciones apenas se formulan ya, por miedo a las manifestaciones. Es un boicot silencioso, gélido y cotidiano. A los israelíes que se oponen a su propio gobierno se los difama también como cómplices. En universidades alemanas, estudiantes israelíes, pero también estudiantes judíos alemanes, son insultados, amenazados, golpeados. Los parlamentos estudiantiles de la Universidad Humboldt de Berlín, la Universidad Heinrich Heine de Düsseldorf, la Universidad de Hamburgo y la Universidad Johannes Gutenberg de Maguncia exigen romper los contratos y la investigación conjunta con universidades israelíes. Me deja perplejo la impotencia de algunos profesores y decanos que no cortan de raíz los incidentes antisemitas, sino que, por su impotencia y falta de sanciones, terminan reforzando ese antisemitismo.
Hitler utilizó esta música para determinar la identidad cultural de Alemania
Si, según encuestas de la Fundación Hans Böckler, el 49 % de los jóvenes ni siquiera sabe ya qué es Auschwitz, ¿cómo van a poder aprender algo? ¿Y ustedes quieren recortar el dinero para la educación en este país, en serio? Los jóvenes judíos en este país ya no se sienten hoy, en el verano de 2026, un «nosotros», sino un «ustedes». Sienten que apenas se les permite ya ser alemanes. Las personas judías deben, antes de entrar en un espacio, distanciarse de la política de Netanyahu. Se enfrentan a diario a una prueba de lealtad, aunque su canciller se llama Merz, no Netanyahu. Qué bien y qué natural que las personas musulmanas en nuestro país no tengan que distanciarse de Hamás. ¿Pero a nadie le llama la atención esta contradicción? Se exige la aniquilación del Estado de Israel. ¿Se exige la aniquilación de Rusia? Aunque Putin lleva a cientos de miles de personas de su propio pueblo a la guerra y masacra a miles de civiles en Ucrania. ¿Se exige borrar del mapa el Estado de Irán, que masacra a su propia población? ¿A nadie le llama la atención que esta exigencia —que el único país judío del mundo sea aniquilado— va de la mano de la fantasía de aniquilación de más de ocho millones de judíos? Aquí, en este lugar, Adolf Hitler declaró a Richard Wagner parte imprescindible del arte del nacionalsocialismo. Hitler utilizó esta música para determinar la identidad cultural de Alemania, pero también para adoctrinar a la nomenclatura del sistema. En 1942, obreros de armamento y heridos de guerra son invitados como huéspedes a los Festivales de Bayreuth. En ningún momento de la guerra total, ni siquiera en sus últimos días en el búnker del Führer, cuando en las calles de Berlín el Volkssturm, formado por menores, entrega su vida por el «Führer», renuncia Adolf Hitler a Richard Wagner. Winifred Wagner se convierte muy pronto en una de sus mejores amigas; ya le proporciona papel de escribir en Landsberg para su obra «Mein Kampf». Era su pariente electiva. A más tardar cuando Wieland Wagner fue nombrado en 1944 director civil de un campo externo de Flossenbürg, la implicación había llegado a todos los niveles. Estoy aquí, como judío alemán, en la colina de Bayreuth. Invitado, desinvitado, vuelto a invitar. Al final, Katharina Wagner logra que este acto pueda celebrarse. Un intento más de hacer visible la historia y la historia familiar. No somos seres indefensos. No tenemos por qué vivir y luchar unos contra otros. Podemos intentarlo juntos. Todos deberíamos preguntarnos cómo es posible que un partido antidemocrático —como dice el ministro presidente de Renania del Norte-Westfalia, Hendrik Wüst— «un partido nazi», haya podido volver a convertirse en el partido más fuerte de Alemania. ¿Quién no cumplió la promesa? Quienes ocuparon y ocupan altos cargos, ¿se han quitado los audífonos y las gafas? ¿En qué estado se encuentran nuestras instituciones? Aquellos responsables de nuestra constitución espiritual y cultural: las escuelas, los teatros, las universidades. ¿Todavía nos interesan, es decir, con pasión? ¿Los vemos? ¿Los escuchamos, a las personas que están ahí? ¿Vemos que el extremismo de derecha es el mayor peligro para Alemania? ¿Que ya hace tiempo que ha entrado en los parlamentos distritales y estatales, en la vida cotidiana de asociaciones, gremios, fiestas de pueblo y clubes deportivos, de este a oeste? ¿Que la marcha a través de las instituciones, que gestionamos sin pasión, ya ha comenzado?
¿Estoy deprimido? ¿Me rindo? Jamás. Oskar Schindler me lo prohibió
Nada es sorprendente. Nada es nuevo. Esta gente quiere acabar con este país; debemos decirlo con claridad. No digo todo esto porque sea judío, sino porque soy ciudadano. No solo yo soy atacado. Todos lo somos. ¿Cuánto vale entonces la libertad para nosotros? ¿Estamos seguros de que este país seguirá siendo democrático y libre dentro de cinco años? Me gustaría que en esta Casa de Festivales, el año que viene, en el 151.º Festival, hubiera en el vestíbulo una exposición permanente sobre la biografía antisemita del músico Richard Wagner. Y sobre la historia familiar afín al nazismo hasta bien entrados los años setenta. En 1975, Winifred Wagner dijo: «Si Hitler entrara hoy por esa puerta, yo estaría igual de alegre y feliz de verlo y tenerlo aquí, como siempre». Sería maravilloso que se elaborara el hecho de que, durante décadas, las élites de la República Federal —todas las estrellas del espectáculo, artistas, políticas y políticos de todos los partidos, sonrientes y entusiasmados, girando ante las cámaras— peregrinaron encantados a los días del Festival, sin haber tenido nunca que formular públicamente sus dudas sobre este lugar. Algunos lo hicieron, por supuesto. Pero no era más necesario, en interés del «desarrollo sin fricciones». Sería deseable que la vulgaridad, la agresión, el egocentrismo, el egoísmo en este país fueran reemplazados de nuevo por el respeto, el amor y el reconocimiento, también el reconocimiento hacia nuestros muchos lugares de festival: los teatros del país, las óperas, las universidades, los museos y las escuelas. Tengo 70 años. La juventud nos observa, a todos nosotros. Que se vote al nacionalismo es también resultado del fracaso de quienes ocupan funciones de élite y responsabilidad, y de una sociedad que envejece y ha olvidado que el futuro es siempre la juventud. ¿Estoy deprimido? ¿Me rindo? En la vida. Oskar Schindler me lo prohibió. Los demócratas deberíamos volver a hacer campaña por nosotros mismos. Tenemos el mejor producto. Durante demasiado tiempo fuimos demócratas de Jauja. Demócratas cansados. Millones de personas que se comprometen cada día con la democracia en nuestro país necesitan refuerzos. Nos necesitan. Por eso también es importante este día en Bayreuth. Es una pequeña parte de un cuadro, ojalá, hermoso y grande. Estos Festivales solo son posibles porque el dinero de los impuestos, federal y del estado de Baviera, cofinancia todo esto. Pero entonces, ¿no sería un enfrentamiento con este lugar, con esta colina, una condición hermosa, incluso necesaria, para tal subvención? ¿No sería importante para que todos aprendamos a entender mejor este lugar y a nosotros mismos? Richard Wagner, el gran compositor y ferviente enemigo de los judíos, esta colina: eso es cultura alemana, eso pertenece a la identidad de Alemania. Katharina Wagner se ha puesto en marcha. Debería recibir un apoyo decidido del estado de Baviera y de la Federación. No solo con dinero, año tras año; también aquí debe instalarse y archivarse, obligatoriamente, una cultura del recuerdo. Aquí no gobierna Richard Wagner, sino quienes financian estos Festivales y la colina verde. Todo es posible, si queremos. Yo quiero. ¿Quieren ustedes también?
El texto es una versión abreviada y ligeramente editada del discurso que Michel Friedman pronunció el 26 de julio en el acto conmemorativo «Voces enmudecidas» («Verstummte Stimmen»), durante el fin de semana de apertura del 150.º aniversario de los Festivales de Bayreuth.
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